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Nikolaus hat eine Frage an das Buddha-Bärchen

POSTED BY: Elisabeth ON - 13. Dezember 2013

Eine Weihnachtsgeschichte von Arne Schaefer

Die Buddha-Bärchen Höhle, gezeichnet von Arne Schaefer

Die Buddha-Bärchen Höhle, gezeichnet von Arne Schaefer

Im Winter, wenn das Leben langsamer und ruhiger wird, ist das Buddha-Bärchen die meiste Zeit zu Hause in seiner Buddha-Bärchen-Höhle. Ein gewöhnliches Bärchen würde einen langen, tiefen und äußerst erholsamen traumlosen Winterschlaf machen. Nicht so das Buddha-Bärchen! Es heißt ja nicht umsonst so. Das Wort „Buddha“ kommt aus dem Sanskrit, einer sehr alten Sprache Indiens, in der viele heilige Texte geschrieben wurden, und bedeutet „erwacht“. Ein Buddha-Bärchen ist also ein erwachtes Bärchen, wie könnte es da eine ganze Jahreszeit verschlafen?

 

 

Statt also Winterschlaf zu halten, nutzt das Buddha-Bärchen die Zeit, um zu meditieren und über Fragen nachzudenken, die ihm gestellt werden. Die meisten dieser Fragen erreichen es mit der Post. Nur wenige machen sich auf den Weg und besuchen es in seiner Buddha-Bärchen-Höhle. So kam auch an einem Winternachmittag ein Junge zur Buddha-Bärchen-Höhle. Er hatte eine runde Nickelbrille auf der Nase, einen braunen Rucksack auf dem Rücken und einen roten Anorak über seinem kleinen Bäuchlein. Nachdem das Buddha-Bärchen einen leckeren, frischen Buddha-Bärchen-Früchtetee gemacht hatte und beide vor dem Kamin saßen, erzählte er: „Ich heiße Nikolaus Himmelmann.“ „Nanu?“, dachte das Buddha-Bärchen erstaunt „ist das nur ein Zufall oder hat sein Name eine besondere Bedeutung?“ Der Junge erklärte weiter: „Hätten mich meine Eltern Niklas oder Niko oder einfach Klaus genannt, wäre ich wohl heute nicht hier, denn ich finde meinem Namen cool! Schließlich ist der Nikolaus wegen der ganzen Geschenke, die er macht, überall beliebt – wenn man mal diese dusslige Rute vergisst. Nur ist mir aufgefallen, dass er mir manche Wünsche nicht erfüllt. Zum Beispiel habe ich mir gewünscht, dass ich in Sport richtig gut bin und ich beim Mannschaftenwählen nicht immer bis zuletzt auf der Bank sitze oder dass mein Opa wieder gesund wird und wir wieder zusammen durch Wiesen und Wälder spazieren. Das hat bisher nicht geklappt, obwohl ich es mir so sehr wünsche. Das macht mich traurig, weil mir selbst der Weihnachtsmann nicht hilft!“

 

Das Buddha-Bärchen schaute ihn mitfühlend an, es konnte die Sehnsucht spüren, die in Nikolaus Suche nach dem Grund für das Ausbleiben der Erfüllung seiner sehnlichsten Wünsche lag. „Dem Weihnachtsmann habe ich auch geschrieben, aber ich bekam noch keine Antwort. Ich verzweifle noch, weil ich unbedingt wissen will, wie das mit den Wünschen und den Geschenken klappt. Dann würde ich nämlich meinem Namen alle Ehre machen und ein echt guter Nikolaus sein wollen. Kannst du mir vielleicht dabei helfen?“

 

Das Buddha-Bärchen dachte nach als Nikolaus rief: „Ach, fast hätte ich es vergessen. Ich hab dir ja auch was mitgebracht!“ Er rutschte von seinem Sessel, schnappte sich seinen braunen Rucksack und holte einen Stapel bemalter Papierblätter heraus.

„Hier, das hab ich selbst gemacht!“ Er reichte dem Buddha-Bärchen die Blätter, die es sich neugierig anschaute. Es waren lauter Kästchen mit Bildern und Sprechblasen darauf gemalt. Nikolaus hatte einen Comic gezeichnet! Das Buddha-Bärchen sah auf den Bildern einen Weihnachtsmann im roten Supermann-Dress mit einem weißen ‚N‘ auf der Brust.

 

„Das ist Nikolaus, so wie ich ihn mir vorstelle“, erklärte Nikolaus stolz. „Er kann alles! Und vor allem hilft er denjenigen, die es am nötigsten haben. Manchmal auch mit Geschenken, aber meistens kommt er einfach, wenn man ihn braucht. Er beschützt, bewahrt vor Unheil und hat keine Rute. Die braucht er nicht, denn er hat was ganz anderes und davon ganz viel: Zeit und Ohren! Wenn er kommt, bleibt er solange man ihn braucht, hört zu und haut nicht einfach wieder durch den Schornstein ab!“ Zufrieden setzte sich Nikolaus wieder auf seinen Sessel und schaute das Buddha-Bärchen erwartungsvoll an, das die Geschichte in aller Ruhe durchlas.

 

Nikolaus und das Buddha-Bärchen am Kamin in der Buddha-Bärchen Höhle, gezeichnet von Arne Schaefer

Nikolaus und das Buddha-Bärchen am Kamin in der Buddha-Bärchen Höhle, gezeichnet von Arne Schaefer

 

Als es fertig war, sagte es voller Anerkennung „Du hast dir eine feine Geschichte ausgedacht! Ich sehe, dass du eine Menge davon verstehst worauf es ankommt, wenn man ein wirklich guter Weihnachtsmann sein will.“ Das Buddha-Bärchen machte eine Pause, dann fragte es: „Und nun willst du von mir wissen, wie du so ein Super-Nikolaus wirst?“

 

Nikolaus nickte und sah das Buddha-Bärchen erwartungsvoll an. „Gut“, sagte das Buddha-Bärchen und dachte eine Weile schweigend nach. „Weißt du, der Weihnachtsmann hat echt keinen leichten Job“, begann es. „Das Schwierigste für ihn ist, dass die Menschen immer mehr von ihm erwarten. Früher reichte es, wenn er Socken oder Nüsse brachte, heute muss es gleich eine Playstation sein oder ein Handy. Und immer mehr Kinder schicken ihm immer längere Wunschlisten. Der arme Kerl ist völlig überlastet, aber er nimmt seine Aufgabe sehr ernst, macht niemals Pause und versucht sein Allerbestes. Das ist der Grund, warum ihm die Zeit fehlt zu bleiben. Er ist ein wirklich feiner Mann, ich kenne niemanden, der großzügiger ist und er hat jede Unterstützung verdient. Du hast ein gutes Herz und einen großen Wunsch, etwas Gutes für andere zu tun. Das ist sehr wichtig. Um ein besonders guter Weihnachtsmann oder Nikolaus zu sein, gibt es nur einen sehr wichtigen Grundsatz, den du beherzigen musst!“

 

Nikolaus rutschte auf dem Sessel vor und stupste seine Brille etwas die Nase hoch, obwohl er eigentlich klar sehen konnte. Er war gespannt wie ein Flitzebogen als das Buddha-Bärchen ihm erklärte: „Es gibt ein universales Gesetz, dass man befolgen muss, um zu bekommen was man braucht.“ Es machte eine kurze Pause, um sicher zu sein, dass Nikolaus ihm mit seiner ganzen Aufmerksamkeit folgte. Dann erklärte es: „Man muss erst etwas schenken, um etwas zu bekommen.“

 

Das war alles, was das Buddha-Bärchen sagte. Für eine Weile hörte man nur noch das Knistern des Feuers im Kamin. Nikolaus grübelte über das Gehörte, dann protestierte er: „He, stopp mal. Wenn ich keine Schokolade mehr habe und welche haben will, dann hab ich nichts mehr zu verschenken. Wie soll das gehen?“ Das Buddha-Bärchen musste lachen, dann erklärte es: „Dann ist es in der Tat zu spät und du kannst nur noch hoffen, dass du in der Vergangenheit großzügig warst und Schokolade verschenkt hast. Sonst kann es sein, dass die ganze Schokolade im Universum für dich aufgebraucht ist.“ Nikolaus hob erschrocken die Augenbrauen. „Naja, ich übertreibe natürlich etwas“, fuhr das Buddha-Bärchen amüsiert fort ,“und die ganze Sache ist etwas komplexer. Aber im Wesentlichen ist das so. Wir müssen die richtigen Grundlagen gelegt haben, damit sich unsere Wünsche erfüllen können.“

 

„So nach dem Motto ‚von nix kommt nix‘ oder besser ‚von Schokolade kommt Schokolade.‘ Ist es so?“, fragte Nikolaus bemüht, das Gehörte zu begreifen. „Nun ja, wenn man es sehr vereinfacht, dann ist das so. Im Wesentlichen geht es darum, dass dir das Wohl anderer wichtig ist und du dich um sie kümmerst. Dann wirst auch du bekommen, was du brauchst“, erläuterte das Buddha-Bärchen. „Das klingt ja wie ein Deal!“, zweifelte Nikolaus und das Buddha-Bärchen erklärte weiter: „Du musst es vom Herzen her tun, weil es dein aufrichtiger Wunsch ist und nicht weil du dafür etwas zurück erwartest.“

„Hm, verstehe“, sagte Nikolaus nachdenklich. Das Buddha-Bärchen erklärte weiter: „Wenn du dich an dem Glück anderer mitfreuen kannst, dann ist es ganz einfach, großzügig zu sein. Dazu musst du erkennen, dass alles Eins ist und du immer mit der ganzen Welt verbunden bist.“

 

„Und wie kriegt man das Gefühl der Verbundenheit?“, wollte Nikolaus wissen. „Das ist eine sehr gute Frage“, antwortete das Buddha-Bärchen. „Viele Weise haben Wege gesucht, gefunden und aufgezeigt – und doch muss es jeder immer wieder selbst finden. Du musst lernen, ganz genau hinzuschauen und die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind. Unser größter Fehler ist, dass wir uns für vollkommen unabhängig voneinander halten. Das sind wir aber nie. Wir sind immer abhängig voneinander, weil alles Eins ist. Das musst du verstehen und dann weißt du, wie die Dinge in dieser Welt zusammengehören und was du tun kannst, um die richtigen Voraussetzungen für die Erfüllung deiner Wünsche zu schaffen. Schau dir eine Blume an: Wenn du nur ihre Farbe und ihre Form siehst, dann siehst du nicht die ganze Blume! Du musst auch die Sonne sehen, deren Licht sie sucht, den Regen, den sie trinkt, die Mineralien der Erde, die sie aufnimmt und das Kohlendioxid, das sie atmet. Dann erst siehst du sie wirklich und du erkennst, dass die ganze Welt in dieser einzigen Blume vorhanden ist.“

 

„Wow“, staunte Nikolaus, „so habe ich das ja noch nie gesehen!“ „Alles was du üben musst, ist die Dinge in Ruhe zu betrachten und dich nicht durch zu viel Geschäftigkeit ablenken zu lassen“, fuhr das Buddha-Bärchen fort. „Wenn du aus diesem Wissen heraus handelst, wirst du ein Super-Nikolaus werden – und du machst es ja schon genau so!“, sagte das Buddha-Bärchen mit einem breiten Lächeln. „Ich liebe Comics und Geschichten mit weisen Helden über alles!“

 

Nikolaus merkte, dass er das eben Gehörte am liebsten sofort ausprobieren wollte. „Danke“, sagte er ,“das hat mir sehr geholfen. Ich will jetzt schnell zu meinem Opa.“ Er rutschte vom Sessel, zog den Anorak anm nahm seinen Rucksack und stiefelte zur Tür. „Noch etwas, Nikolaus“, sagte das Buddha-Bärchen bevor Nikolaus losstapfte. „Ganz wichtig ist, dass du es mit Geduld und Beharrlichkeit angehst, schließlich ist noch kein Nikolaus vom Himmel gefallen – oder doch?“ fragte es mit einem Augenzwinkern. „Probier es aus und meld dich mal bei mir, um mir zu erzählen wie es so geht, ok?“

 

„Ok“, sagte Nikolaus, „und Danke auch für den super leckeren Tee!“ Dann stapfte er durch den Schnee davon. Das Buddha-Bärchen sah ihm nach und dachte bei sich: „’Nomen est Omen – wirklich ein außergewöhnlicher Junge!“

 

Autor: Arne Schaefer

 

Die Buddha-Bärchen Höhle, gezeichnet von Arne Schaefer

Die Buddha-Bärchen Höhle, gezeichnet von Arne Schaefer

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