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Weisheitsgeschichte Mai

POSTED BY: Arne ON - 02. Mai 2011

Die wahre Natur ist niemals vollkommen

Vor langer Zeit in China gab es eine glückliche Familie mit einem Sohn. Bis sich eines Tages der Mann in eine andere Frau verliebte und begann, sich heimlich mit ihr zu treffen. Nach einiger Zeit sah er, dass er so nicht weiter leben konnte uns so beschloss er, seine Familie zu verlas­sen und mit dieser Frau weg zu gehen.

Zunächst lebten sie sehr glücklich miteinander, aber nach einiger Zeit kamen ihm Zweifel, er hatte ein schlechtes Gewissen, weil er seine Frau und seinen Sohn verlassen hatte. Wieder wollte er so nicht mehr weiter leben. Er konnte weder zu seiner Familie zurückkehren, noch bei der Frau bleiben. Als einzige Möglichkeit sah er, in ein Kloster zu gehen und Mönch zu werden. Er trennte sich also auch von seiner neuen Partnerin. In den folgenden Jahren übte er sehr diszipliniert und erlangte eines Tages Erleuchtung. Als der Zen-Meister seines Klosters starb, wurde ihm diese Aufgabe übertragen. Viele Menschen kamen nun zu ihm, um ihn nach Rat für ihr Leben zu fragen und er war vielen ein guter Lehrer. Er wurde berühmt für seine Weisheit und sein gutes Herz.

Sein Sohn war inzwischen zu einem jungen Mann herangewachsen. Als er davon hörte, dass sein Vater, der ihn und seine Mutter damals verlassen hatte und mit einer anderen Frau weggerannt war, nun ein berühmter Zen-Meister sein sollte, wurde er sehr wütend. Dieser selbstbezogene Mensch konnte unmöglich ein Zen-Meister sein! Er beschloss zu diesem Kloster aufzubrechen und seinem Vater die Meinung zu sagen.

Nach mehreren Tagen Wanderung erreichte er das Kloster. Er ging direkt zum Klostervorsteher und verlangte zornig, sofort mit diesem Zen-Meister zu sprechen. Der Mönch sagte, er wolle sehen, ob der Zen-Meister gerade ansprechbar sei. Als er dem Zen-Meister von dem jungen wütenden Mann berichtete, der ihn zu sprechen wünschte, ahnte dieser, dass dies sein Sohn ist. Er hatte ihn in der Zwischenzeit nie vergessen und immer gehofft, sie könnten sich eines Tages wieder sehen. Dem Vorsteher gab er die Anwei­sung, sein Sohn müsse zunächst den Hof kehren, bevor er ihn sehen könne.

Der Vorsteher ging also zu dem jungen Mann und erklärte ihm, dass es Sitte sei, den Hof zu fegen bevor man den Meister sprechen könne. Dieser wurde noch wütender, aber er sah auch keine andere Möglichkeit, seinen Vater zu treffen. Wütend fegte er schnell den Hof und ging dann wieder zum Vorsteher, um endlich den Meister sprechen zu können. Als der Vorsteher den Hof betrachtete, sagte er, dass man hier im Kloster die Arbeiten sorgfältig und ordentlich verrichten müsse. Daher müsse er den Hof leider nochmals gründlich fegen. Immer mehr steigerte das die Wut des jungen Mannes und doch ließ er sich auf das erneute Fegen ein, hatte er doch schon so viele Strapazen auf sich genommen und wollte er doch auf jeden Fall dem Zen-Meister seinen ganzen Ärger entgegenschleudern, sobald er dazu die Gelegenheit bekam.

Nun fegte er den Hof sehr genau. Während des Fegens wurde er immer müder und seine Wut verlor sich langsam. Auch sein Geist beruhigte sich immer mehr. Als er schließlich den Hof ausgiebig und gründ­lich gefegt hatte, ging er zum Vorsteher und fragte ihn diesmal höflich, ob er nun zum Meister gehen könne. In diesem Moment kam der Zen-Meister in den Hof und schaute sich um. Er ging zu einem Laubhaufen, nahm eine Hand voll Dreck und verstreute diese im Hof. Dann sagte er zu dem jungen Mann: „Wahre Natur ist niemals vollkommen. In dem Augenblick, in dem Du „Vollkommenheit“ sagst, gibt es „Unvollkommnheit“. Erst wenn du alle Gegensätz los lassen kannst, kannst du wirklich frei sein“. In diesem Moment verban­den sich Vater und Sohn und wurden eins. Dies war der Moment, in dem der Sohn wirklich alles loslassen konnte.

(Zen-Meisterin Bon Shim, 13.04.2000 Zen Zentrum Berlin)

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Weisheitsgeschichte April

POSTED BY: Arne ON - 04. April 2011

Der Fischer und das Geld

Ein glücklicher, einfacher Fischer saß Tag für Tag auf dem Steg vor seinem Haus und angelte. Weil er dies nur mit seiner einen Angel tat, fing er ab und an einen Fisch. Das reichte, um davon zu leben und Fisch für die nötigsten Dinge auf dem Markt zu tauschen.

Eines Tages kam ein Mann aus der Stadt und sah den Fischer auf seinem Steg sitzen. Er ging zu ihm und fragte: „Was machen Sie da?“

„Ich angele“ sagte der Angler etwas überrascht.

„Ja, das sehe ich. Aber es wäre doch viel besser, Sie würden mit einer zweiten Angel angeln!“

„Aha, und warum?“, fragte der Fischer ein wenig ratlos.

„Dann würden Sie mehr Fische fangen und könnten mehr Fische verkaufen“ antwortete der Mann.

„Und was soll ich mir von dem Geld kaufen?“ fragte der Fischer.

„Dann könnten Sie sich ein Netz kaufen und mehr Fische fangen!“

„Aber was soll ich dann mit den ganzen gefangenen Fischen tun?“ fragte der Fischer wieder.

„Die könnten Sie doch wieder verkaufen und noch mehr Geld verdienen und dann könnten Sie sich ein Boot kaufen und Sie könnten auf das Meer rausfahren und noch mehr Fische fangen!“

„Aber warum soll ich denn dann noch mehr Fische fangen?“

„Weil Sie dann noch ein Boot kaufen können und schließlich sogar ein Schiff und Sie können Menschen bezahlen, die für Sie die Arbeit erledigen!“ sagte der Mann ganz geschäftig und war überrascht, dass dieser Fischer scheinbar nicht verstand.

„Aber warum soll ich Menschen dafür bezahlen, dass sie für mich Fischen gehen?“ fragte der Fischer immer noch verständnislos.

„Wenn Sie nicht mehr arbeiten müssen, dann können Sie den ganzen Tag in der Sonne sitzen und den Ausblick auf das Meer genießen!“

„Ach so“ sagte der Fischer etwas irritiert und bemerkte: „aber das tue ich doch schon die ganze Zeit …“

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Weisheitsgeschichte März

POSTED BY: Arne ON - 06. März 2011

Rabbi und HundDer Rabbi und die Bestie

Es gab einmal einen berühmten Rabbiner, der wegen seines profunden Wissens der heiligen Schriften sehr verehrt wurde. Er war sehr orthodox und glaubte an jedes Wort, das im heilgen Buch geschrieben stand.

Eines Tages war er gemeinsam mit seinem Gehilfen in einer entlegen Gegend auf Reisen und durchquerten ein Dorf. Als sie in der Mitte des Dorfes waren, knurrte ein großer Hund plötzlich sehr laut und fing dann an, sie zu verfolgen. Sofort rannte der Rabbiner so schnell er konnte und der Gehilfe folgte ihm. Sie schafften es aus dem Dorf zu fliehen, ohne dass der Hund sie erwischte. Hinter einem Felsen versteckten sie sich, so dass der Hund sie nicht mehr sah. Dort lamentierte der Gehilfe: „Warum sind Sie davon gelaufen wie ein Kind? Sie haben mich immer gelehrt, dass wenn ich die Regeln des heiligen Buches achte, mir keine Bestie etwas anhaben kann! Also warum sind Sie weggelaufen? Glaubt ihr etwa nicht, was das heilige Buch lehrt?“ Der Rabbiner antwortete: „Doch, natürlich glaube ich an das heilige Buch – aber ich fürchte, der Hund hat es nicht gelesen!“

(Erzählt von Zen-Meister Wu Bong)

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Weisheitsgeschichte Februar

POSTED BY: Arne ON - 07. Februar 2011

Weisheit_FebDer kleine Vogel und das Feuer

Die Weisheitsgeschichte für Februar wurde von Zen-Meister Dae Kwang im Juli 2003 anlässlich des Konfliktes im Nahen Osten erzählt. Wir bringen sie, weil sie so gut zu den Ereignissen in Nordafrika dieser Tage passt.

Du alleine hast nicht die Macht, den Konflikt im Mittleren Osten zu lösen. Du kennst Mutter Theresa. Wenn sie die Straßen Kalkuttas entlang ging und dort jemand in den Straßen krank daliegen sah, dann half sie.  Es war ihr egal, ob das ein Muslim, ein Katholik, ein Hindu oder ein Mensch ohne Glauben war. Das ist auch Deine Aufgabe, in jedem Augenblick. Diese einfache Hilfe, hilft der ganzen Welt. Es gibt eine berühmte buddhistische Geschichte, die das zum Ausdruck bringt:

Es gab einmal einen schlimmen Waldbrand. Viele Tiere leideten, ihr Zuhause, ihr Futter wurde zerstört, sie hatten nichts zu essen, sie saßen in der Falle. Als das Feuer begann, saß ein kleiner Vogel in einer Baumkrone. Er merkte, dass ein Waldbrand kam, so wie du weißt, ob Wasser heiß oder kalt ist, wenn du es trinkst. Er spürte, dass das Feuer Leiden verursacht. Und so flog er zu einem See, füllte seinen Schnabel mit Wasser und ließ ihn auf das Feuer fallen; er holte wieder einen Schnabel Wasser und ließ ihn fallen, flog hin und her, bis er starb. Er tat einfach, was er tat.

Das gleich gilt für uns, wir tun einfach was wir tun ohne das Ergebnis zu prüfen: Buddha lebte vor 2500 Jahren. Gibt es heute weniger Leid? Jesus lebte vor 2000 Jahren, haben wir heute weniger Leid als zu seiner Zeit? Sie taten einfach was sie taten, sie hafteten nicht am Ergebnis. Das ist der Sinn der Vogel Geschichte. Wenn du dem Mittleren Osten helfen möchtest, fang an, was zu tun. Aber was, das weiß ich nicht. Das weiß Buddha auch nicht, auch der Dalai Lama weiß es nicht. Der Dalai Lama hat dieses schlimme Problem mit der Besetzung Tibets durch die Chinesen, aber er macht einfach weiter. Wenn du in seiner Nähe bist, sieht er nicht so aus, als würde er die Last dieses Problems auf seinen Schultern tragen. Und das heißt nicht, dass es ihm egal ist. Es heißt nur, dass er einfach nur tut was er tun kann.

Niemand kann dir sagen, was in deinem Leben zu tun ist. Wenn du siehst, was zu tun ist, dann tu es!

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Weisheitsgeschichte Januar

POSTED BY: Arne ON - 03. Januar 2011

Jeden Monat eine kleine Geschichte …

Wir werden auch weiterhin zu jedem Wochenanfang eine Weisheit präsentieren. Neu wird sein, dass wir an jedem ersten Montag im Monat statt des Weisheitsspruchs eine kleine Weisheitsgeschichte erzählen. Wir freuen uns, wenn ihr euch beteiligen wollt und ihr uns kleine Weisheitsgeschichten schickt, die wir gerne veröffentlichen werden.

Die erste Geschichte ist von Zen-Meister Dae Kwang, der sie bei einem seiner Besuche in Berlin erzählte:

Chinakohl im Garten des Musang Sa Tempels, Süd-KoreaStiele und Wurzeln

Während der späteren T’ang-Dynastie gab es in Südchina einen großen Zen-Tempel namens Ho Pak Sah. Wie in den meisten Zen-Tempeln dieser Zeit, verdienten sich die Mönche von Ho Pak Sah ihren Lebensunterhalt durch Arbeit auf dem Feld. In dem Tempel gab es viele Mönche und er besaß auch viele Ländereien. Der Mönch, der das Farmland verwaltete, hatte also eine schwere Aufgabe. Jeden Morgen ging er sehr früh in die Gärten und Beete, um sicherzugehen, dass alles in Ordnung war.

Eines Morgens, als er einen Pfad entlangging, um das obere Bewässerungssystem zu kontrollieren, hörte er einen lautes Gezanke. Der erste Schreck verwandelte sich in Verwunderung: Normalerweise war die Morgendämmerung eine Zeit der ruhigen Besinnlichkeit, woher kam dieses wütende Geschrei? Seine Augen richteten sich auf das Kürbisbeet an der Ecke des Gartens. Seine Augen wurden groß, denn er konnte es kaum fassen: Die Kürbisse stritten miteinander! Das durfte doch wohl nicht wahr sein, die Harmonie und der Ruf des gesamten Tempels standen auf dem Spiel!

Er stieß plötzlich einen lauten Schrei aus: „Ho!“. Überrascht wurden die Kürbisse still und er sprach: „Dies ist ein Zen-Tempel, ihr müsst alle lernen, wie man richtig praktiziert!“ Mit großer Geduld brachte er jedem von ihnen bei, wie man meditiert, wie man sitzt, wie man Kohlendioxid langsam durch seine Blätter einatmet und dann Sauerstoff ausatmet… und sich dabei zu fragen: „Was ist ein Kürbis?“. Da sie alle diese Dinge schon kannten, lernten sie schnell. Bald wurden ihre Gemüter ruhig. Er forderte sie dann auf, mit ihren Blättern auf ihre Köpfe zu fassen. Sofort hörte er mehrere Ausrufe des Erkennens, „Ahh!“ Dann brach das gesamte Feld in ein kollektives „JA!“ aus, denn sie hatten es alle verstanden: Jeder hatte einen Stiel, der oben aus seinem Kopf herauskam und jeden mit den anderen verband. Warum stritten sie? Sie alle teilen dieselbe Ranke, waren verwurzelt mit der Quelle des Lebens. Durch die Praxis des Innehaltens entdeckten sie ihre ursprüngliche Verbundenheit und konnten nun ein Leben gemeinsam in Harmonie leben …

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